ROTWEISSROT

Das Auslandsösterreicher-Journal ROTWEISSROT berichtet über Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Die Online-Ausgabe bringt ausgewählte Artikel aus dem vierteljährlich erscheinenden Print-Magazin, erweitert um aktuelle Nachrichten. Der Fokus richtet sich vor allem auf Österreich und davon ausgehend auf Österreichs Beziehungen zu Europa und der Welt. Die Online-Ausgabe wird in Kooperation von austrians.org und dem Österreich-Journal erstellt und erscheint 14-tägig in Form eines Newsletters.

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Wenn der See ruft

von Christian Horwath | RwR 3/2010, S 34f

Eine einzigartige Fauna & Flora, eine unerschöpfliche Weite, hohe touristische Qualität und viel Sonne – der Neusiedlersee hat sehr viel zu bieten.

   
320 km² zum Segeln, Schwimmen, Surfen: der Neusiedlersee wartet mit vielen Facetten auf.

320 km² zum Segeln, Schwimmen, Surfen: der Neusiedlersee wartet mit vielen Facetten auf.


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er durchschnittlich nur 1,5 Meter tiefe Neusiedlersee hat eine lange und bewegte, aber dafür keine sonderlich tief schürfende Geschichte hinter sich. Entstanden ist der drittgrößte See Europas, oder besser: die Aufwerfungen, dessen Wasserfülle heute den drittgrößten See Europas ausmachen, vor rund 16.000 Jahren durch eine nacheiszeitliche tektonische Absenkung. Bereits im Quartär erhielt das Seebecken durch die gestaltenden gestaltenden Wasser-Gewalten von Donau und Raab seine Form. Es dauerte dann weitere 5.000 Jahre, bis sich die ersten Menschen rund um den See ansiedelten.

Ein 1,5 tiefes Meer

Der See ist der westlichste Steppensee Europas und weist heute eine Gesamtfläche von 320 km² inklusive Schilfgürtel auf. Als die eigentümlichste Besonderheit des Sees gilt immer wieder seine Tiefe. Trotz seiner gewaltigen Ausdehnung schwankt die Wasseroberfläche zwischen einem halben und knapp zwei Metern. Legendär sind die See-Wanderungen – zurückverfolgt werden kann die Durchquerung auf einen ansässigen Mann namens Rumi, der nach einer Wette im Jahr 1736 erstmals das Gewässer durchquerte.

Der Wasserstand hängt ganz entscheidend von den Niederschlägen und der Verdunstung ab. An heißen Tagen verdunstet ca. ein Zentimeter des Sees – bei dieser Fläche ergibt das die gewaltige Summe von 3 Mio. m3 Wasser, die täglich verloren geht. Dementsprechend hat das Wetter auch immer wieder dafür gesorgt, dass der See sein Gesicht ändert. Während bei heftigen Niederschlägen die Oberfläche auch schon auf über 500m² anstieg, ist der Neusiedlersee nach längeren Trockenperioden auch immer wieder völlig verschwunden. Zuletzt war das der Fall in den Jahren 1864-1870 – was kurzzeitig zum Reis-Anbau genutzt wurde.

Ein See aus Soda

Zuflüsse, wie sie sonst bei Gewässern diesen Ausmaßes allgegenwärtig sind, sucht man beim Neusiedlersee (fast) vergeblich. Die Wulka ist der einzig nennenswerte Wasserversorger, ersetzt aber nur etwa ein Viertel der Verdunstungsmenge.

„Wir wollen die Chancen unserer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft nutzen.“ LH Hans Niessl

Einzigartig ist auch die hydrologische Konsistenz: Durch die Strömungen und die geringe Tiefe des Sees entsteht die prägnante Eintrübung des Wassers durch schwebende Sedimentteilchen, was Algenbewuchs und Verschilfung verhindert.

Der Neusiedlersee ist kein Süßwassersee, er hat eine geringfügige Salzkonzentration (ca. ein Zwanzigstel von Meerwasser). Das Meer der Wiener weist Kochsalz, Bittersalz und, als Hauptbestandteil, Soda auf. Aufgrund seiner Wasserqualität und geringen Tiefe ist der Neusiedler See zum Baden sehr gut geeignet.

   
LH Hans Niessl verweist auf hohe touristische Qualität.

LH Hans Niessl verweist auf hohe touristische Qualität.


Tourismus-Region am See


Der Tourismus ist auch – neben den lokalen Erwerbszweigen wie Weinbau, Schilf- und Fischereiwirtschaft – auch der wichtigste Geldbringer in der Region. So hat sich der Neusiedlersee etwa in den letzten Jahren zu einem Mekka der Kite-Surfer gemausert, die Segelboote und die Surfbretter auf dem riesigen See sind Legion und die Strände zwischen Podersdorf und Illmitz sind allsommerlich erster Anziehungspunkt für Sonnen- und Wasserhungrige aus dem riesigen und bevölkerungsstarken Einzugsgebiet. Ein 500 Kilometer langes Radwegenetz, kilometerlange Wanderwege und unzählige Reitmöglichkeiten runden die Möglichkeiten für die Urlaubsgestaltung ab. Aber auch im Winter ruft der See – die geringe Tiefe sorgt für die rasche Bildung einer tragenden Eisdecke und dann tummeln sich Eis- und Langläufer auf dem zugefrorenen Neusiedlersee und den weitläufigen Schneefeldern. Auch 2010 kann Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl auf eine positive Tendenz verweisen. „Mit einem plus von 5,1 Prozent im Jänner und Februar zusammengenommen ist uns ein toller Start ins Tourismusjahr gelungen.“

Welterbe der Unesco

Einzigartig ist auch Flora und Fauna rund um den See. Die für die Gegend typischen Störche sind - neben Grau- und Silberreihern sowie Großtrappen – eine von rund 300 im Schilfgürtel lebender Vogelarten. Hecht, Zander, Karpfen und Wels bevölkern das Wasser, das Feuchtgebiet rundum ist Lebensraum von Amphibien, von Fröschen über Molche bis zu Nattern, Exoten wie die südrussische Tarantel oder 1.500 Schmetterlingsarten.

Nachdem man bereits 1935 Überlegungen anstellte, wurde der See mit seinem Umland im Jahr 1993 auf Grund der für Mitteleuropa einzigartigen Flora und Fauna zum Nationalpark erklärt. Der Park besteht aus dem österreichischen Teil Neusiedler See-Seewinkel mit 9.700 Hektar und dem mit 23.500 Hektar weit größeren ungarischen Teil Fertö-Hanság. Das Gebiet wurde 2001 zum UNESCO-Welterbe ernannt. „Wir wollen die herausragenden Chancen unserer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft als Lebens- und Wirtschaftsraum optimal und im Einklang mit den natürlichen und kulturellen Werten nutzen“, meint Niessl.

   
Seefestspiele in Mörbisch: Highlight des kulturellen Lebens rund um den See.

Seefestspiele in Mörbisch: Highlight des kulturellen Lebens rund um den See.


See-Kultur

Rund um den Neusiedlersee hat sich in den vergangenen Jahren ein facettenreiches Kulturangebot etabliert. Für den Aufstieg in den Reigen international anerkannter Festival-Orte sorgten unter anderem Harald Serafin mit den Seefestspielen in Mörbisch und die Opernfestspiele im Römersteinbruch von St. Margarethen. Neben den großen Musik-Theaterfestivals lädt auch eine ganze Reihe weiterer Veranstaltungen zum Ausflug an den See. Dazu zählen die Interantionalen Haydntage in Eisenstadt, die Passionsspiele in St. Margarethen, das Sommerfestival Kittsee und der Kultursommer in Parndorf. Neben Hochkultur hat aber auch die Populärkultur Platz in der Region: das Nova Rock, inzwischen eines der größten Rock-Festivals in ganz Europa, zog heuer insgesamt rund 150.000 junge Menschen an die Pannonia Fields in Nickelsdorf.